20.07.13

Schon wieder in England, ...

... genauer am südwestlichsten Zipfel der britischen Insel, von dem die Menschen einst annahmen, es sei das Ende der Welt, haben wir auch dieses Jahr wieder unseren Sommerurlaub verbracht. Wieder am gleichen Ort in Cornwall, an der wilden Nordküste ganz in der Nähe des Hafenortes Padstow, in der gleichen kleinen Ferienwohnung, auf die wir uns schon wieder wie Bolle, trotz der schlechten Betten, gefreut hatten. 


Dieses Jahr waren wir früher dran, das Gras stand hoch und noch nicht abgemäht, viele Blumen blühten noch, deren Blütenpracht wir letztes Jahr nicht zu sehen bekamen. Weil wir in der Vorsaison unterwegs waren, hatten wir den Strand vor unserer Haustüre oft fast für uns alleine.


Am ersten Tag in Porthcothan war es noch recht kühl, eigentlich kein Strandwetter, aber wir mussten unseren ersten Urlaubstag einfach in der Bucht verbringen, von der wir uns letztes Jahr tränenreich verabschiedet hatten. Wir glaubten eigentlich nicht so schnell wieder hierher zu kommen.


Hohe Wellen gab es noch zu Beginn unseres Urlaubs, die Wassertemperatur betrug laut Coastal Guard eisige 14 Grad Celsius. Anstatt uns in die Fluten zu stürzen, vergnügten wir uns damit, Seifenblasen zu pusten und sehr tiefe und große Löcher zu buddeln.


Abends machten wir gerne noch einen Spaziergang auf dem Küstenpfad, der an unserem Haus vorbeiführt.


Auf einen Besuch des viel gepriesenen Küstenortes St. Ives verzichteten wir letztes Jahr, weil wir nicht von den Menschenmassen durch die Gassen geschoben werden wollten. Dank der diesjährigen Vorsaison konnten wir dieses malerische Städtchen in vollen Zügen genießen. Wir unternahmen eine kleine Schiffstour auf den offenen Ozean, und verteidigten unser Eis und die Fish & Chips vor den ziemlich aggressiven Möwen, die einem schon mal die Eistüte aus der Hand klauen ...


Bühende Mallow Maritima vor Hafenkulisse in St. Ives.




Wer meint die englische Küche hat nichts Gutes zu bieten, liegt falsch. Ich liebe ja die gerne zum Tee gereichten Scones und die für Cornwall typischen Pasties.


Mein Mann interessiert sich sehr Zeugnisse aus prähistorischer Zeit. Deshalb mussten wir dieses Jahr unbedingt in den Bodmin Moor, wo nicht nur ein eindrucksvoller Steinkreis bestehend aus zahlreichen Menhiren, die auch ein tolles Versteck vor fotografierwütigen Müttern sind, zu bewundern ist ...


... sondern auch tatsächlich wilde Pferde. Da spaziert man dann plötzlich durch eine Herde glücklicher, wilder Ponies, und ist ganz aus dem Häuschen. Weil man damit ja nun überhaupt nicht gerechnet hatte. Wow! Vor allem für die Pferde-närrische Tochter war das ein Erlebnis erster Klasse.


Für die Geologin in mir hatte das Bodmin Moor außerdem noch ein paar verwitterte Granitfelsen zu bieten, die wir genauer inspiziert ... äh ... erklettert haben. Der Tag im Moor weitab von der Küste war einer der Besten. Es gab dort so viel zu entdecken. Das Dorf St. Neot und überall in den Himmel ragende Kamine, als Zeugnisse stillgelegter Zinnminen und die typische Hochmoorvegetation und, und, und.



Ab dem fünften Urlaubstag kamen wir dann in den Genuss des Hochs über der Biskaya. Auf einer Wetterkarte in der Zeitung konnten wir sehen, dass Cornwall genau im Zentrum des Schönwetter-gebiets lag. Was für ein Glück! Eigentlich hatten wir uns auf eher durchwachsenes Wetter eingestellt, aber wir erlebten genau das Gegenteil. So verbrachten wir recht viel Zeit in "unserer" Bucht. Bauten Staudämme, surften mit dem Bodyboard (was am Ende wegen der Flaute überhaupt nicht mehr ging), oder schwammen im untypisch ruhigen Meer (mit immer noch kernigen 15 Grad Wassertemperatur). Lesen ging auch gut. Entspannung pur, am weltschönsten Strand. Bei ca. 28 Grad.




Irgendwann wird's auch am tollsten Strand langweilig und so mieteten wir uns in Padstow Fahrräder und traten auf dem Camel Trail in die Pedale. Camel, so heißt der Fluß, der bei Padstow in den Atlantik mündet, und entlang dieses Flusses radelten wir also bis kurz vor Bodmin. Teils durch schattige Wälder, was uns wegen der Hitze (!) und Windstille (!!) in Cornwall (!!!) gerade recht kam.


Gerade recht kam uns auch ein nettes Ausflugslokal, in dem wir uns vor dem Rückweg mit dem nebenan gekelterten Weißwein (dort gab es tatsächlich einen Weinberg) stärkten. Wir waren so neugierig auf die Qualität des Weins, dass wir auch den stolzen Preis dafür in Kauf nahmen. Der Weißwein schmeckte ... nicht gut. Aber das Lokal war spitze.


Und dann mussten wir noch ein zweites Mal nach St. Ives, wir Armen. Denn wir wollten uns den Ghost Walk nicht entgehen lassen, der dort jeden Mittwoch um 21.30 Uhr stattfindet. Auf einem Spaziergang durch die nachtdunkle Stadt und den gruseligen Friedhof hoch über dem Meer, erfuhren wir u.a. von Schmugglern und bei lebendigem Leib begrabenen Räubern und wir wissen nun, dass der Horrorfilm "The fog", auf einem an der Küste vor St. Ives geschehenen Ereignis basiert. 


Manchmal erschienen vor unserer Bucht auch schöne Segelschiffe.


Auch Quallen wurden von der Flut an Land gespült. Mein Sohn verpasste einem Exemplar sogar einen Sonnenschutz. Das Käppi-Inlet wurde neben der Qualle an den Strand gespült.


Hach, ich glaube wir kommen wieder. Trotz schlechter Betten.

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